Arbeitslos und trotzdem weiterbilden?
Das solltest du wissen
Arbeitslosigkeit ist für viele zunächst eine unsichere Phase. Gleichzeitig bietet sie aber auch eine echte Chance: die Möglichkeit, sich beruflich neu aufzustellen – zum Beispiel durch eine Weiterbildung oder sogar eine Umschulung.
Viele fragen sich dabei: Was passiert mit dem Arbeitslosengeld während dieser Zeit?
Die gute Nachricht vorweg: In vielen Fällen bleibt deine finanzielle Absicherung bestehen, während du dich weiterqualifizierst.
Hier bekommst du einen klaren Überblick, worauf es ankommt und wie du die Situation optimal für dich nutzen kannst.
Arbeitslosengeld – die wichtigsten Grundlagen
Arbeitslosengeld ist eine Versicherungsleistung, die du von der Agentur für Arbeit erhältst, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Dazu gehört:
- Du hast dich rechtzeitig arbeitslos gemeldet
- Du warst in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt
- Du bist arbeitsfähig und stehst dem Arbeitsmarkt zur Verfügung
Die Höhe richtet sich nach deinem bisherigen Einkommen. In der Regel erhältst du:
- 60 % deines letzten Nettogehalts
- 67 %, wenn du Kinder hast
Auch die Bezugsdauer ist individuell und hängt unter anderem von deiner bisherigen Beschäftigungsdauer und deinem Alter ab.
Wichtig zu wissen: Leistungen wie Bürgergeld (ehemals Hartz IV) unterscheiden sich vom Arbeitslosengeld. Sie werden unabhängig von vorherigen Beiträgen gezahlt und sichern das Existenzminimum.
Weiterbildung während der Arbeitslosigkeit – geht das?
Ja – und genau das ist oft ein sehr sinnvoller Schritt.
Wenn deine Weiterbildung von der Agentur für Arbeit genehmigt wird, erhältst du dein Arbeitslosengeld weiterhin in voller Höhe. Du kannst dich also qualifizieren, ohne finanzielle Einbußen befürchten zu müssen.
Auch beim Bezug von Bürgergeld gilt: Wird eine Weiterbildung gefördert, läuft die Zahlung weiter.
Damit das funktioniert, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:
- Die Weiterbildung wurde vor Beginn mit der Agentur abgestimmt
- Du arbeitest aktiv an deiner beruflichen Wiedereingliederung
- Die Maßnahme ist offiziell zertifiziert (AZAV)
- Deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern sich dadurch nachweislich
Auch beim Bezug von Bürgergeld gilt: Wird eine Weiterbildung gefördert, läuft die Zahlung weiter.
Kostenlos beraten lassen:
Umschulung: Neustart mit Perspektive
Eine Umschulung ist im Prinzip ein kompletter beruflicher Neuanfang. Sie dauert meist etwa zwei Jahre und ist vergleichbar mit einer verkürzten Ausbildung.
Auch hier gilt: Wird die Umschulung gefördert, bleibt dein Arbeitslosengeld bestehen.
Es gibt zwei typische Varianten:
Betriebliche Umschlung
- Du erhältst eine Ausbildungsvergütung vom Betrieb
- Zusätzlich kann Arbeitslosengeld gezahlt werden
- Ein Teil der Vergütung kann angerechnet werden
Schulische Umschulung
- Keine Ausbildungsvergütung
- Die Agentur übernimmt die Kosten der Maßnahme
- Arbeitslosengeld wird weiterhin gezahlt – auch über längere Zeiträume hinweg
Voraussetzungen für eine geförderte Umschulung
Die Chancen auf eine Förderung steigen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind:
Du hast bereits eine abgeschlossene Ausbildung
Du bist volljährig
Dein bisheriger Beruf bietet keine Perspektive mehr (z. B. gesundheitlich oder strukturell bedingt)
Der neue Beruf wird am Arbeitsmarkt benötigt
Je klarer du zeigen kannst, dass die Umschulung deine Jobchancen verbessert, desto besser stehen deine Chancen auf Unterstützung.
Unkompliziert Beratungstermin vereinbaren:
Ein entscheidender Vorteil: Dein Anspruch hält länger
Ein oft übersehener Punkt ist die sogenannte 2:1-Regel.
Das bedeutet: Während einer geförderten Weiterbildung wird dein Anspruch auf Arbeitslosengeld langsamer verbraucht.
Konkret:
Für zwei Tage Weiterbildung wird nur ein Tag von deinem Anspruch abgezogen.
Beispiel:
Bei sechs Monaten Weiterbildung reduziert sich dein Anspruch nicht um sechs, sondern nur um drei Monate.
Zusätzlich gibt es zwei wichtige Sicherheiten:
Dein Anspruch fällt nicht unter 90 Tage
Bei längeren Maßnahmen kann sich dein Anspruch einmalig verlängern
So bleibt dir nach der Qualifizierung genügend Zeit für die Jobsuche.
Welche Kosten zusätzlich übernommen werden
Mit einem Bildungsgutschein können neben den Kurskosten weitere Ausgaben abgedeckt werden, zum Beispiel:
Fahrtkosten
Unterkunft und Verpflegung bei auswärtigen Maßnahmen
Kinderbetreuung
Prüfungsgebühren und Lernmaterialien
Sozialversicherungsbeiträge
Das reduziert deine finanzielle Belastung erheblich und ermöglicht dir, dich voll auf deine Weiterbildung zu konzentrieren.
Extra-Anreize: Geld und Prämien
Neben dem Arbeitslosengeld kannst du zusätzliche finanzielle Unterstützung erhalten:
Weiterbildungsgeld
150 € monatlich bei abschlussorientierten Maßnahmen
Weiterbildungsprämien
1.000 € für eine bestandene Zwischenprüfung
1.500 € für den erfolgreichen Abschluss
Diese zusätzlichen Leistungen sollen dich motivieren, dranzubleiben und deine Qualifikation erfolgreich abzuschließen.
Machen Sie den nächsten Schritt:
Bildungsgutschein: Gute Vorbereitung ist entscheidend
Wichtig ist: Die Förderung erfolgt nicht automatisch. Der Bildungsgutschein ist eine sogenannte Ermessensleistung.
Das bedeutet: Du musst überzeugend darlegen, warum die Weiterbildung sinnvoll ist.
Hilfreich ist es, wenn du:
konkrete Jobperspektiven aufzeigen kannst
belegen kannst, dass dir bestimmte Qualifikationen fehlen
dich aktiv bewirbst und deine Situation gut erklären kannst
Gerade in Zeiten von Digitalisierung und Fachkräftemangel stehen die Chancen oft gut – vorausgesetzt, dein Plan ist nachvollziehbar.
Weiterbildung selbst zahlen – geht das auch?
Natürlich kannst du eine Weiterbildung auch eigenständig finanzieren. Ob du dabei weiterhin Arbeitslosengeld erhältst, hängt von mehreren Faktoren ab:
Die Maßnahme ist mit der Agentur abgestimmt
Du bleibst grundsätzlich vermittelbar
Du bist bereit, die Weiterbildung bei Jobangeboten zu unterbrechen
Die Maßnahme verbessert deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt
In der Praxis ist eine geförderte Weiterbildung jedoch meist die bessere und sicherere Option.
Fazit: Nutze die Zeit strategisch
Arbeitslosigkeit muss kein Stillstand sein – sie kann auch der Startpunkt für etwas Neues sein.
Eine Weiterbildung oder Umschulung bietet dir die Chance, deine beruflichen Perspektiven deutlich zu verbessern – und das oft ohne finanzielle Nachteile. Mit Arbeitslosengeld, zusätzlichen Förderungen und klaren Rahmenbedingungen hast du die Möglichkeit, dich gezielt neu auszurichten.
Wenn du die Zeit sinnvoll nutzt und gut vorbereitet in Gespräche mit der Agentur für Arbeit gehst, kann genau jetzt der Grundstein für deinen nächsten Karriereschritt gelegt werden.
