Flipped Classroom in der Weiterbildung

Flipped Classroom opener
icon-glühbirne

Erinnern Sie sich einmal an Ihre Schulzeit: Viele Unterrichtsstunden liefen nach einem ähnlichen Muster ab. Vorne stand die Lehrkraft und versuchte, möglichst viel Lernstoff in 45 Minuten zu vermitteln. Auf der anderen Seite saß die Klasse eher passiv und hörte zu. Hausaufgaben sollten anschließend helfen, das Gelernte zu vertiefen und anzuwenden. Dieses klassische System ist stark standardisiert und funktioniert – nicht zuletzt durch den Druck von Noten – in vielen Fällen durchaus.

Doch es gibt auch andere Wege, Wissen zu vermitteln. Eine dieser Methoden ist der sogenannte Flipped Classroom, bei dem der Lernprozess einfach umgedreht wird. Die Lernenden setzen sich zunächst eigenständig mit den Inhalten auseinander und bearbeiten die gestellten Aufgaben. Die gemeinsame Zeit im Unterricht wird anschließend genutzt, um Inhalte zu diskutieren, Fragen zu klären und praktische Erfahrungen auszutauschen.

Der entscheidende Unterschied: Die Verantwortung für den eigenen Lernprozess liegt stärker bei den Lernenden selbst. Die Lehrkraft stellt die Materialien und Aufgaben bereit und begleitet anschließend den Austausch sowie die Anwendung des Wissens.

Wie funktioniert die Flipped-Classroom-Methode?

Die Flipped-Classroom-Methode besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Phasen.

Zu Beginn der Lerneinheit arbeiten die Lernenden eigenständig an den Inhalten. Dafür erhalten sie vorbereitete Materialien sowie eine konkrete Aufgabe oder ein Lernziel.

  • Die Lernenden beschäftigen sich zunächst selbstständig mit dem bereitgestellten Material.
  • Dabei können sie alleine arbeiten oder sich freiwillig in Lerngruppen organisieren.
  • Jede Person lernt in ihrem eigenen Tempo und nutzt die Inhalte entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse.
  • Ob durch Texte, Videos, Podcasts oder Gespräche mit anderen – jede und jeder entscheidet selbst, welche Medien und Wege am besten zum eigenen Lernstil passen.

Anschließend folgt die moderierte Arbeitsphase im Klassenraum.

  • Die Lehrkraft begleitet den Prozess, moderiert Diskussionen und sorgt für Motivation sowie Aktivierung der Gruppe.

  • Die Lernenden präsentieren ihre Ergebnisse, berichten über ihre Lernwege und tauschen Erfahrungen miteinander aus.

  • Dies kann in Kleingruppen oder im Plenum stattfinden, häufig werden auch zusätzliche Aufgaben gemeinsam bearbeitet oder Übungen durchgeführt.

  • Die Lehrkraft unterstützt den Prozess, greift jedoch nur bei Bedarf ein. Fachliche Fragen werden möglichst innerhalb der Gruppe geklärt.

 

Die Rolle der Lehrkraft ähnelt dabei eher der eines Moderators oder SCRUM Masters, der den Lernprozess begleitet, statt ihn strikt zu kontrollieren.

Flipped Classroom Erfahrung in der Weiterbildung

Flipped-classroom-woman

Wie der Flipped Classroom in der Erwachsenenbildung praktisch umgesetzt wird, zeigt unser eigenes Bildungsangebot. Auch GfM-Akademie bietet Kurse an, die vollständig nach dem Prinzip des umgedrehten Klassenzimmers aufgebaut sind. Besonders geeignet ist diese Methode für Themenfelder wie Digitalisierung, den Einsatz von KI, Prozessautomatisierung, Lehrmittelentwicklung oder auch Business Development mit Künstlicher Intelligenz.

Vor allem Teilnehmende, die sich bereits sicher im digitalen Umfeld bewegen, profitieren von der starken Praxisorientierung dieses Lernansatzes. Ein typisches Beispiel aus unseren Kursen: Zu Beginn jeder Lerneinheit geben die Trainer:innen eine kurze Einführung in das jeweilige Thema. Anschließend tauchen die Lernenden direkt in eine simulierte Arbeitswelt ein und wenden ihr Wissen praktisch an.

Kostenlos beraten lassen:

Die individuelle Lern- und Projektphase

Am Anfang jeder Lerneinheit steht ein praxisnaher Arbeitsauftrag – vergleichbar mit einer Aufgabe, wie sie auch im beruflichen Alltag gestellt wird. Die Teilnehmenden erhalten dazu ein Briefing, das häufig als E-Mail einer fiktiven Vorgesetzten formuliert ist. Darin wird eine realistische Ausgangssituation beschrieben und es werden klare Anforderungen an das gewünschte Ergebnis definiert. Ein Beispiel könnte so aussehen:

Beim Kurzfilmwettbewerb „KI-NO? KI-YES!“ besteht die Aufgabe darin, eine eigene kreative Filmidee einzureichen. Die Besonderheit: Der Film soll vollständig mithilfe von KI-Tools erstellt werden. Sowohl das Thema des Kurzfilms als auch das Genre können frei gewählt werden.

Den Weg zum fertigen Ergebnis gestalten die Lernenden anschließend eigenständig und individuell.

  • Dafür steht eine umfangreiche, übersichtlich aufgebaute Mediathek mit kuratierten und eigens erstellten Lernmaterialien bereit, die regelmäßig aktualisiert werden. Dazu gehören beispielsweise Videos, Tutorials, Podcasts, Quizzes oder Fachliteratur.

  • Jede Person kann gezielt die Inhalte auswählen, die zum eigenen Wissensstand passen, und diese im individuellen Lerntempo bearbeiten.

  • Ob allein oder gemeinsam mit anderen Teilnehmenden gelernt wird, bleibt den Lernenden selbst überlassen. Gleichzeitig steht jederzeit eine Ansprechperson zur Verfügung, sodass niemand mit Fragen allein bleibt.

Die Kriterien zur Bewertung der Ergebnisse sowie die angestrebten Lernziele sind von Anfang an klar definiert und für alle Teilnehmenden transparent nachvollziehbar.

Die moderierte Workshopphase

In der zweiten Phase kommen alle Teilnehmenden per Videokonferenz in der Anwendung Teams zusammen. Diese Phase lebt vom intensiven Austausch innerhalb der Gruppe sowie vom Dialog mit der Trainerin oder dem Trainer, die den Ablauf moderieren und strukturieren. Fachliche Fragen richten sich dabei oft nicht ausschließlich an die Lehrperson – viele Antworten entstehen direkt im Austausch unter den Lernenden. Schließlich gibt es kaum etwas Motivierenderes, als frisch erworbenes Wissen unmittelbar weiterzugeben.

Die Lehrkraft entscheidet in dieser Phase, welche Arbeitsform am sinnvollsten ist: Ob Übungen in Breakout-Sessions, also in kleineren Gruppen, stattfinden oder ob Präsentationen und Diskussionen im Plenum erfolgen. Gleichzeitig behält sie sowohl die Dynamik der gesamten Gruppe als auch die Entwicklung jeder einzelnen Person im Blick.

Neben der Moderation unterstützt die Lehrkraft die Lernenden auf vielfältige Weise: Sie motiviert und aktiviert, gibt Feedback, hilft bei technischen Fragen und ordnet Ergebnisse fachlich ein. So entsteht eine Lernumgebung, die Austausch, Zusammenarbeit und persönliche Entwicklung gleichermaßen fördert.

Unkompliziert Beratungstermin vereinbaren:

Was sind die Vorteile der Flipped Classroom Methode?

icon-fragezeichen

Durch das eigenständige Lernen und die selbst organisierte Arbeitsweise entwickeln die Teilnehmenden ganz automatisch wichtige Future Skills. Fähigkeiten wie Zusammenarbeit, Problemlösungskompetenz, Selbstmanagement sowie analytisches und kritisches Denken werden dabei kontinuierlich trainiert.

Im Mittelpunkt steht vor allem der Ausbau von Kompetenzen. Denn theoretisches Wissen ist heute nahezu überall verfügbar – entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, dieses Wissen praktisch anzuwenden. Genau hier setzt der Lernansatz an und stärkt gezielt die Anwendungskompetenzen der Teilnehmenden.

Bedeutet Flipped Classroom: alles selbst machen?

Man könnte zunächst fragen, wofür eigentlich Kursgebühren anfallen, wenn ein großer Teil der Lernarbeit eigenständig erfolgt. Tatsächlich spielen jedoch sowohl die Trainer:innen als auch das Entwicklungsteam eine zentrale Rolle. Jeder Kurs wird sorgfältig konzipiert, bis ins Detail geplant und bei Bedarf regelmäßig weiterentwickelt. Gerade Themen wie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung verändern sich in der heutigen Arbeitswelt besonders schnell. Deshalb werden auch die Lernmedien in der Bibliothek kontinuierlich aktualisiert und bieten Inhalte, die unterschiedliche Lerntypen ansprechen.

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass Lernerfolge stark von den Trainer:innen selbst abhängen. Begeisterung für das Thema und Freude an der Wissensvermittlung sind ebenso wichtig wie eine offene, wertschätzende Haltung. Herzlichkeit und Empathie tragen entscheidend dazu bei, eine motivierende Lernatmosphäre zu schaffen.

Wie sorgt man dafür, dass sich wirklich alle vorbereiten?

Durch die klar formulierten und praxisnahen Arbeitsaufträge zu jedem neuen Thema entwickeln die Lernenden schnell eine positive Einstellung zum Lernprozess. Statt sich wie im klassischen Unterricht zu fühlen, erinnert die Situation eher an den Start in einen neuen, spannenden Job – und dort möchte man schließlich zeigen, was man kann.

Zusätzliche Motivation entsteht durch die Freiheit, eigene Lösungswege zu entwickeln und kreativ an Aufgaben heranzugehen. Ein weiterer wichtiger Anreiz: Die fertigen Projekte können später als Arbeitsproben dienen und das persönliche Portfolio sinnvoll erweitern.

Machen Sie den nächsten Schritt:

Gegenüberstellung: Frontalunterricht und Flipped Classroom bei GfM Weiterbildung

  • Eine konkrete Aufgabe weckt den Wissensbedarf – die Lernenden recherchieren eigenständig in der Mediathek und erarbeiten sich die Inhalte aktiv.

  • Die Anwendung des Wissens erfolgt gemeinsam, wobei Wissenslücken im Austausch mit anderen geschlossen werden.

  • Die Lehrkraft agiert als Sparringspartner:in auf Augenhöhe und begleitet den Lernprozess („guide on the side“).

  • Erworbenes Wissen wird unmittelbar in eigenen Projekten angewendet; ergänzend sind auch klassische Prüfungsformen möglich.

  • Fachliche Kompetenzen sowie wichtige Zukunfts- und Arbeitskompetenzen werden dabei automatisch mitentwickelt.

  • Die Verantwortung für den eigenen Lernfortschritt liegt klar bei den Lernenden.

  • Das Lerntempo kann individuell gestaltet und an den eigenen Bedarf angepasst werden.

  • Wissen wird überwiegend vermittelt, während die Lernenden eher eine passive Rolle einnehmen.

  • Hausaufgaben werden meist allein bearbeitet, wodurch Wissenslücken schnell sichtbar werden.

  • Die Lehrkraft nimmt eine klare hierarchische Position ein und steht als zentrale Wissensquelle im Mittelpunkt („sage on the stage“).

  • Der Lernerfolg wird hauptsächlich durch Klausuren oder Prüfungen überprüft.

  • Im Vordergrund steht vor allem das Einprägen von Wissen, während andere Kompetenzen eine geringere Rolle spielen.

  • Die Verantwortung für den Wissenserwerb wird häufig der Lehrkraft zugeschrieben.

  • Das individuelle Lerntempo orientiert sich am Tempo des Lehrvortrags.

Fazit: Der Flipped Classroom verbindet effizientes Lernen mit inspirierenden Lernprozessen

icon-ausrufezeichen

Der Flipped Classroom gestaltet Lernen häufig besonders motivierend. Idealerweise fühlt es sich ein wenig wie eine Schnitzeljagd an: Sobald Sie selbst erkennen, welche Informationen und welches Wissen Sie benötigen, um Ihr Ziel zu erreichen, steigt automatisch die Motivation, genau dieses Wissen zu erschließen. Gleichzeitig speichert Ihr Gehirn die Inhalte nachhaltiger, da Sie diese nicht nur auswendig lernen, sondern direkt praktisch anwenden.

Praxisorientierung spielt in allen Kursen der GfM-Weiterbildung eine zentrale Rolle – unabhängig davon, ob Sie Buchhaltung mit SAP® erlernen oder Krisenmanagement im Business-Game-Format trainieren. Entscheidend ist stets die unmittelbare Anwendung des Gelernten.

Die Bootcamps, die nach der Flipped-Classroom-Methode aufgebaut sind, gehen dabei noch einen Schritt weiter und orientieren sich stark an der agilen Arbeitswelt. Eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Lernen wird mit regelmäßigen Feedbackschleifen und intensiver Zusammenarbeit kombiniert. Lernbegleiter:innen unterstützen den Prozess, schaffen Möglichkeiten und helfen dabei, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Der Austausch innerhalb der Gruppe sorgt für zusätzliche Inspiration – schließlich gibt es oft mehr als einen Weg zur Lösung. Ganz nebenbei entwickeln die Teilnehmenden dabei auch wichtige Future Skills.